Mein Name ist Klaas Meier und ich wurde 2001 in Minden geboren. Als ältester von drei Geschwistern bin ich mit meinem Bruder Kilian und meiner Schwester Lara auf unserem landwirtschaftlichen Familienbetrieb, damals auch noch mit Schweinen, aufgewachsen.
Gefühlt hab ich das Lenkrad Halten vorm Laufen gelernt, und mit zehn Jahren das erste mal alleine auf dem Trecker gesessen und gegrubbert. Für mich war das damals normal, Papa meinte fahr los und bleib aufm Acker, der Rest ist Geschichte. Dabei kam der erste Nachbar mit dem Roller erst bei mir übers Feld und dann zu uns auf den Hof gefahren, um zu fragen: "Isses soweit? Fahren die Treckers jetzt schon alleine?"
Ich war einfach noch zu kurz, um ordentlich in der Kabine erkannt zu werden, hat mich damals aber schon irgendwie stolz gemacht. Ich hab es auch gerne mal als Ausrede für die Schule genommen: Als ich beim Elternsprechtag gefragt wurde, warum die Hausaufgaben so oft fehlten, hab ich nur gesagt: Ich musste grubbern. Mama wär fast im Boden versunken.
Nach der Schule und meinem Abitur hat es mich 2019 aus dem ostwestfälischen Heimatdorf nach Bayern gezogen. An der HSWT in Triesdorf begann ich mein Studium in Agrartechnik, wo die ostwestfälische Mentalität in Mittelfranken kulturelle Offenheit lernen musste. Das war auch gut so, und nach dem Bachelor inklusive 3 Coronasemester "von Zuhause" (eher vom Trecker, wo sich auch die „Oberlohner“ auf dem Bild rechts zusammengefunden hatten) ging es weiter nach Stuttgart, wo ich das Masterstudium Agribusiness an der Uni Hohenheim anfing.
Sommer 2025: Eigentlich war ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr weit davon weg, mein Studium abzuschließen. Klausuren fertig, nur noch eine Phase im Winter und Masterarbeit. Ich hatte schon mit meinem besten Kumpel eine Agrarreise nach Südamerika geplant, wir wollten erstmal was von der Welt sehen. Wir sind dann nach der Abschlussparty aber erstmal nach Hause in die Ernte gehechtet und mal wieder richtig froh gewesen, dass wir vom Schreibtisch wegkommen.
9. August 2025
Wir waren gerade mitten in der Getreideernte, als ich den Anruf bekam, dass mein Vater einen schweren Autounfall hatte. Adrenalin ging hoch, keiner wusste so richtig Bescheid. Ich hab mich auf den Weg zum Hof gemacht und zunächst mit meiner Mutter grob die Verantwortung für den Betrieb übernommen: Getreideernte steuern, Lieferbedingungen erfüllen, Mitarbeiter einteilen, Kunden betreuen, Biogasanlagen babysitten.
Mein Vater verstarb am 13. August 2025 an den Folgen des Unfalls.
Es war und ist bis heute nicht die einfachste Zeit für meine Familie, unsere Freunde und auch für unsere Mitarbeiter. Familie und Team sind aber eng zusammengewachsen und wir schaffen es bisher ganz gut, den Betrieb weiterzuführen.
Für mich stand nach einiger Überlegung fest, dass ich nicht nur die Verantwortung für den Betrieb übernehmen, sondern auch weiterhin zeigen möchte, wie es ist, mit 25 gemeinsam mit meiner Mutter einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen.
Die allgemeine wirtschaftliche Lage in der Landwirtschaft macht sowas gerade auch nicht unbedingt zum Spaziergang.
Deshalb nehme ich die Menschen auch auf meinem Weg mit und zeige offen, was hinter den Kulissen passiert – mit all den Herausforderungen, Entscheidungen, schönen Momenten und natürlich auch den schwierigen Tagen. Einen Teil davon konnte man auch bereits bei NDR Auf'm Land sehen
Seit ich den Betrieb mitführe, haben wir einiges verändert und neu strukturiert. Ich versuche im Moment eher auf Sicherheit zu handeln und mache manche Dinge anders, als mein Vater sie gemacht hat. Anker bleiben bei vielen Sachen gesetzt, an anderen Stellen ist Veränderung aber wirklich nötig. Trotzdem erwische ich mich selber, wie ich so manche Allüren von meinem Vater übernommen habe, und ich hoffe, dass er zufrieden wäre mit dem was wir heute aus dem Betrieb machen.
Denn letztendlich geht es nicht darum, alles genauso zu machen wie früher. Es geht darum, wertzuschätzen was aufgebaut wurde und es dann zukunftssicher weiterzuentwickeln.
Social Media mache ich nun seit den Bauernprotesten vor knapp 3 Jahren, und über die Jahre ist eine Community entstanden, die mich auf diesem Weg begleitet. Daraus ist auch die Idee entstanden, das nun endlich auch als tragbares Kleidungsstück zu zeigen, wenn auch möglichst dezent.
Wer uns und unseren Weg verfolgt, kann damit ein kleines Stück dieser Geschichte mitnehmen, egal ob selbst vom Hof, Landwirtschaftsfan oder einfach jemand, der Bock auf die Klamotten hat.
Vielen Dank, wenn du das bis hierhin gelesen hast. Die Lernkurve war steil, aber wir haben es geschafft, dieses Jahr die erste eigene Ernte einzufahren. Und es geht weiter, Vattern hat nämlich immer gesagt:
Das Wetter wartet nicht auf dich.